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Wort des Jahres 2008


Habe mal in WDR 4 einen Beitrag gehört über das Wort des Jahres. fand ich den persönlich als sehr zeitgemäß und auch sehr witzig. Denke wir alle sind jeden Tag mit unserer Jugend konfrontiert, und nicht alles was sie reden ist auch verständlich für uns. Habe mir erlaubt diesen Artikel hier zu präsentieren



AUF EIN WORT VOM 05.12.2008
Jugendwort 2008

Stets zum Jahresende werden unsere Sprachforscher durch die Suche nach dem "Wort des Jahres" gut beschäftigt, erst recht wenn es um das "Unwort des Jahres" geht. Nun sucht ein Verlag, der sich vor allem mit Sprach- und Wörterbüchern profiliert hat, nach dem "Jugendwort des Jahres". Heute schlägt die Stunde der Jury. Ihre Entscheidung wird Montag bekannt gegeben.
Autor: Klaus Deuse

Es scheint eine Ewigkeit her, als der Volksmund noch zutreffend behaupten konnte: Wie die Alten sungen, so zwitschern auch die Jungen. Das war einmal. Und woran liegt es? Die Nachgeborenen, so beklagen sich Ältere häufig, sprechen eine Sprache, die sie nicht mehr verstehen. Die Jugend schmeiße mit Anglizismen nur so um sich, dass sie bloß noch Bahnhof verstehen. Statt geredet oder gewählt gesprochen, werde nur noch gechattet und gevotet, ehe man chillt.

Nun darf man vielen Älteren jedoch nicht absprechen, dass sie sich ernsthaft um einen Dialog mit der Jugend bemühen. Selbst kurz vor der Pensionierung stehende Lehrer sprechen plötzlich nicht mehr von Schülern, sondern von Kiddies. Und was hält die Jugend davon? Offenbar gar nichts. Diese verbale Anbiederung ist nämlich, um es im Jugend-Jargon zu sagen, total Banane.
Also voll krass daneben, wie die Favoriten bei der Wahl zum Jugendwort des Jahres zeigen.

Ganz vorne auf den ersten 15 Plätzen taucht nur ein einziger Anglizismus auf, den die meisten heute Jugendlichen allerdings erst dann an sich erleben dürften, wenn sie irgendwann selbst als Grufties durchgehen: und zwar Hardwareproblem. Soll heißen: Potenzstörung.

Ansonsten belebt die Jugend mit ihrem aktuellen Jargon die Alltagssprache doch tatsächlich in schöner alter Manier. Nämlich auf deutsch und mit einem gehörigen Schuss Sprachwitz. Ja, es werden sogar Anglizismen eingedeutscht.
Nehmen wir nur mal Nordic-Walking, also diese vermeintlich sportliche Form des Spazierengehens mit Stöcken, die bevorzugt ältere Menschen ausüben. Wer das praktiziert, kommt für Jugendliche als Stockente daher. Das mutet natürlich respektlos an.
Aber waren das die Älteren von heute in ihren jüngeren Jahren nicht auch? Darf sich denn ein Erwachsener darüber aufregen, dass Heranwachsende eine Senioren-Gehhilfe als Pflasterporsche bezeichnen? Schließlich hat er selbst vor gefühlten 20 Jahren in seiner Jugend eine Einkaufstasche auf Rädern als "Hackenporsche" durch den Kakao gezogen.

Freuen wir uns doch darüber, dass die Jugend im Jahr 2008 wieder die deutsche Sprache entdeckt und zum Beispiel einen USB-Stick, also ein datenpralles Miniutensil der digitalen Wunderwelt als Datenzäpfchen bezeichnet. Da nähern sich die Generationen sprachlich doch endlich wieder an.
Oder auch mit der "Rentnerbravo", einer Verballhornung für die Apothekenumschau. Bei genauerem Hinsehen auf die beliebtesten Jugend-Wörter zeigt sich sogar, dass es nicht umsonst war, ihnen als Kleinkinder Märchen vorgelesen zu haben. Wie sonst könnte "Zornröschen" als Synonym für ein verzicktes, beleidigtes Mädchen in der Hitliste auftauchen.

Die deutsche Jugend befindet sich sprachlich offenbar auf dem Weg zurück zu den Wurzeln ihrer Vorgeborenen. Wenn es dafür noch eines Beweises bedarf, dann heißt der "Mietmaul". Eine Umschreibung für einen Rechtsanwalt, der für ein sattes Honorar für andere die Klappe aufreißt. Allerdings ändert auch diese sprachliche Annäherung nichts am Generationenunterschied.

Festivitäten für Menschen über 30, und dazu gehören Eltern naturbedingt, firmieren frechweg als Gammelfleisch-Partys. Aber Hauptsache, man versteht sich wieder sprachlich, dann kann man wenigstens über Missverständnisse miteinander reden.



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